Geschichte der Champagner Bratbirne

Bereits 1760 ist einer „ökonomischen Anweisung“ zu entnehmen: „man bauet auf den Fildern, einer Gegend unweit von Stuttgart, eine Gattung Birnen, die wegen ihrer Räue fast nicht zu essen ist, sie sind rundlich und grün und als eine Art wilder Holzbirnen anzusehen. Man lässt sie auf den Bäumen bis zum Gefrieren. Der Most wird gut davon und hat einen ganz besonderen angenehmen Geschmack wenn man ihn spuntet und nicht ganz gären lässt, so moussiert er wie der Champagnerwein und hat vieles von seinem Geschmack an sich“. Die Schaumwein-Herstellung aus Birnen ist in Deutschland damit 66 Jahre älter als die aus Wein. Die berühmte Champagner Weinbirne wurde von Herzog Carl Eugen in Württemberg verbreitet und einst als Weinbirne allerersten Ranges eingestuft. Erstmals in der Literatur genannt wurde sie von Wilhelm Walker, dem Hohenheimer Institutsgärtner, in seiner Schrift „Die Obstsorten in der Obstbaumschule der Königlichen Württembergischen Land und Forstwirtschaftlichen Lehranstalt zu Hohenheim“.

 

Um die gleiche Zeit war die „Bratbirne“ schon auf der Filderebene zu finden und wird in einem Verzeichnis über Obstsorten in Plattenhardt am Ende des 18. Jahrhunderts als eine der auf den Fildern am meisten angebauten Sorte genannt. 1997 ließ Jörg Geiger die Herstellung des Schaumweins aus der Champagner Bratbirne wieder aufleben. Bereits zwanzig Jahre zuvor wurden in der Brennerei des elterlichen Gasthofs sortenreine Destillate hergestellt, so das Stuttgarter Gaishirtle – bis heute eine einzigartige Rarität. Heute steht nicht nur die Erhaltung der landschaftsprägenden Hochstammwiesen, der Schutz eines einzigartigen Vogelschutzgebietes entlang des Albtraufs und der damit zusammenhängenden Biodiversität im Vordergrund. Es ist das Wissen, dass die Früchte alter Sorten von über hundertjährigen Bäumen geerntet mehr Öchsle und mehr Aroma hervorbringen, als neue Sorten und junge Bäume.